Wie können wir menschliche Kompetenz und KI so kombinieren, dass großartiger Content herauskommt? Ich habe einen Vorschlag: Liebe Unternehmen, bringt allen, die mit KI Content produzieren, das Schreiben bei.
Wie war das? Ja, mein Rat mag verwirren: Vielleicht dachtet Ihr, das Schreiben sei nichts anderes als ein lästiges Mittel zur Text-Produktion, das man sich jetzt endlich, dank KI, sparen kann.
Falsch gedacht: Das Schreiben ist genau das, was Ihr jetzt braucht – wegen KI
- Durch das Schreiben gewinnt die Mitarbeitenden Wissen, das ihnen im Gedächtnis bleibt (was nicht der Fall ist, wenn sie KI verwenden). Sie reifen zu Experten heran.
- Sie gewinnen Ideen, die noch niemand hatte (Ist nicht der Fall, wenn sie nur auf die KI hören).
- Sie lernen, ihre Meinung und Persönlichkeit auszudrücken, ja sogar ihre Gefühle (nur so entsteht Authentizität, die Lust aufs Lesen macht).
- Sie trainieren Logik und Argumentation (Fähigkeiten, die sie durch KI-Gebrauch nicht entwickeln).
Das alles sind unverzichtbare Grundlagen für erstklassigen, innovativen Content. Und den brauchen Unternehmen inzwischen dringend, um zu ihren Zielgruppen durchzudringen, weil bereits Unmengen KI-Matsch die Kommunikationskanäle verstopfen.
Das bedeutet: Gutes Schreiben ist viel mehr als hübsches Formulieren – das wird bloß gern verdrängt oder nicht realisiert. Doch dieser Irrglaube ist der Grund, warum die KI vielerorts zu unbedarft und unreflektiert eingesetzt wird.
Das geschieht, wenn KI zu dominant verwendet wird – ganz ohne Schreibkompetenz
Wo ich auch hinblicke: Überall wird gerade versucht, die Content-Produktion mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu optimieren. Ist ja verständlich: Blogartikel, LinkedIn-Posts, Präsentationen – das geht jetzt ratzfatz und spart Geld, so die Hoffnung.
Ich verstehe die Euphorie, auch ich feiere das umwerfende Potential der KI. Dennoch empfehle ich Entscheidern, nochmal kräftig durchzuatmen und sich ernsthaft zu fragen: Sind alle Mitarbeitenden, die mit KI Content produzieren, wirklich kompetent genug? Wissen sie, was sie tun?
Lassen Sie mich das mit einem Szenario illustrieren:
Leon, ein ehrgeiziger Mitarbeiter, erstellt mit ChatGPT auf die Schnelle einen Blogartikel. Vom Thema hat er keine Ahnung, aber er wäre gern Experte dazu und mit diesem Text will er seine Karriere starten. Das Marketing des Hauses veröffentlicht seinen Beitrag umgehend im Corporate Blog – ist ja gut, wenn endlich mal wieder was Neues drinsteht.
Kurz darauf reist Leon zu einem Akquise-Gespräch. Es läuft super – bis die Umworbene das Thema wechselt: „Spannend, worüber Sie da kürzlich geschrieben haben. Was bedeutet das denn konkret für meine Firma, welche Tipps haben Sie?“
Ups, kalt erwischt. Leon hat keine Ideen parat – er erinnert sich ja kaum noch, was ihm die KI zusammengeklöppelt hat. Wie peinlich für den Scheinexperten. Und vor allem: wie geschäftsschädigend für seinen Arbeitgebenden!
Darauf will ich hinaus: Unternehmen, die im KI-Zeitalter gut performen wollen, dürfen nicht alles der KI überlassen. Vor allem nicht ihre Fachkompetenz. Wer das versucht, dem werden die Verheißungen der KI schmerzhaft auf die Füße fallen.
Wenn Sie künftig Versprechen lesen wie „How to use ChatGPT to make it sound like you’re an expert on something, even if you know nothing“ oder „Schreiben Sie mit unserem KI-Artikelschreiber in wenigen Minuten hochwertige Artikel“: Bitte widerstehen Sie, das könnte richtig schief gehen.
Widersinnig, aber wahr: Wir müssen selbst denken, um im KI-Zeitalter gut zu performen.
Schreiben macht schlau! Wer es trainiert, entdeckt seine Einzigartigkeit und verbessert außerdem seine Arbeit mit KI. Dank der gewonnenen Kompetenz fallen Prompts effektiver und ergebnisreicher aus. Und man erkennt, wenn die KI einfach nur Unsinn blubbert oder alte Zöpfe serviert.
Ergo: Das Schreiben trainiert das Zusammenspiel aus menschlicher Intelligenz und KI. Ist das nicht großartig?
So holen Sie das Maximum heraus: Bieten Sie die „Experts Journey“ an
Wer schreibt, lernt – quasi nebenbei – zahlreiche wertvolle Skills. Damit diese sichtbar werden, habe ich den Schreibprozess aufgeteilt in sieben Etappen, denn in jeder wird etwas anderes trainiert.
Ich nenne diesen Weg die „Experts Journey“, weil auf ihm Expertinnen und Experten entstehen. Seit einigen Monaten arbeite ich mit diesem System, begleite Menschen auf ihrem Weg des Schreibens. Noch nie verabschiedete sich jemand von mir sinngemäß mit: „Gott sei Dank, was bin ich froh, dass die Tortur zu Ende ist!“
Stattdessen erlebe ich die Autorinnen und Autoren als glücklich, beschwingt, ja sogar beseelt. Das strahlen sie aus: „Ich habe es geschafft, ich habe Expertise aufgebaut. Fragt mich, was Ihr wollt!“ Heißt: Die Experts Journey funktioniert!

Diese großartigen Skills gewinnen Menschen, wenn sie selbst schreiben:
- Entfachen. Sie erforschen, welches Themenfeld sie dauerhaft begeistert. Dabei lernen sie, auf ihre Intuition zu hören.
- X-mal Durchdenken. Sie tauchen ab ins Thema, bauen Wissen auf und formen eine Meinung. So reifen sie zu Fachexperten heran und lernen in diesem Zuge das Abgrenzen, Fokussieren, Entscheiden sowie das Erkennen von Qualitätsinhalten.
- Planen. Sie lernen, das komplexe Wissen zu strukturieren. Eine Top-Übung für logisches Denken.
- Entwerfen. Sie üben, ihr Wissen in Worte zu fassen. Diese Aufgabe trainiert das präzise Argumentieren und macht die Persönlichkeit sichtbar.
- Redigieren. Sie verbessern ihren Entwurf inhaltlich, strukturell und sprachlich. Das fördert die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
- Teilen. Der fertige Text wird über weitere Content-Formate geteilt, intern oder extern. Die Schreibenden lernen hier, die Perspektiven anderer einzunehmen und sich einzufühlen.
- Strahlen. Das Ergebnis macht stolz. Das Selbstbewusstsein steigt und animiert zu weiteren Texten.
Die KI bereichert das Schreibtraining – als Dienstleisterin, nicht als Chefin
Stellen Sie sich bitte vor, Sie würden auf diese Experts Journey verzichten und stattdessen allein KI verwenden: Ja, die Content-Produktion wäre vermutlich schneller und kruzfristig billiger. Doch das KI-generierte Wissen bliebe den „Autorinnen“ und „Autoren“ nicht in Erinnerung. Sie entwickeln sich nicht weiter, ihr Knowhow stagniert.
Mitarbeitende, die sich nicht weiterentwickeln? Für Unternehmen ist das eine Katastrophe. Dass außerdem die produzierte Content-Qualität mit Sicherheit schlechter ist, kommt obendrauf. Und das soll sich rechnen? Ich habe da meine Zweifel.
So, das war‘s jetzt mit dem KI-Bashing. Denn: Auf der „Experts Journey“ selbst ist sie eine wunderbare Begleiterin, die jede Etappe mit anderen Vorschlägen bereichern kann. Es ist mir wichtig, die einzelnen KI-Aufgaben – und deren Reihenfolge – während des Schreibens sichtbar zu machen. Viele User vermengen diese einfach beim Prompten und wundern sich dann über die Resultate.
Es gibt aber eine Bedingung: Jede einzelne der sieben Experts-Journey-Etappen muss zuerst mit eigener Intelligenz gemeistert werden – also ohne KI!
Verwenden Schreibende die KI zu früh, werden sie womöglich eingelullt von ihren wohlklingenden Vorschlägen. Was sie wiederum daran hindert, selbst kritisch zu denken. Sie haben dann keine Gedankenblitze, keine neuen Ideen, keine Meinung. Aber genau das sind die entscheidenden Elemente, damit sich Mitarbeitende weiterentwickeln und sich ihr Content sich qualitativ abhebt.
Hier kommen einige Vorschläge, wie die KI in den einzelnen Etappen der „Experts Journey“ hilfreich sein kann:
- Entfachen. Zum Start braucht es keine KI, denn sie würde die Intuition hemmen.
- X-mal Durchdenken. Welches Wissen bieten KI-Tools bereits zum gewählten Thema an? Ist es reichhaltig, sollte man das Thema nochmal zuspitzen. Die KI kann auch wichtige Punkte ergänzen, die während der Recherche vergessen wurden. Und sie ist ein toller Sparringspartner, um an seiner Meinung zu feilen, etwa indem man nach Pro- und Contra-Argumenten fragt.
- Planen. Es empfiehlt sich, die KI um eine Gliederung zu bitten und diese mit dem selbst verfassten Entwurf zu vergleichen. Macht sie gute Vorschläge, kann man diese übernehmen.
- Entwerfen. Die KI ist super, um langatmige Sätze und Passagen auf den Punkt zu bringen. Sie eignet sich auch, um einen Text mit Begriffen anzureichern, die für die Zielgruppe relevant sind. Bitte die KI niemals verwenden, um das komplette Werk generell „aufzuhübschen“. Es wird vermutlich unpersönlicher, verwaschener, lebloser.
- Redigieren. In dieser Etappe kann mit KI kontrolliert werden, ob der Text die wichtigsten Fragen der Zielgruppe beantwortet. Sie ist außerdem ein toller Kreativpartner für Headline, Teaser, Zwischentitel und Zusammenfassungen.
- Teilen. Das ist das große Talent der KI: das Entwickeln weitere Content-Formate, etwa LinkedIn-Post, eine Präsentation, Grafiken, Podcasts, Videos. Die KI ist ein Content-Recycling-Genie!
- Strahlen. Erfahrungsgemäß veröffentlichen Unternehmen nicht alle Texte von Mitarbeitenden, die das Schreiben trainieren. Wenn doch: Es empfiehlt sich ein Check, wie KI-Plattformen den Beitrag verwenden.
Das Schreiben zahlt sich aus – für Mitarbeitende und Unternehmen
Durch das Schreiben lernen die Menschen, KI professioneller und effizienter einzusetzen. Es macht sie kritischer, reflektierter, widerstandsfähiger. „KI-Resilienz“ nennt das der Medienwissenschaftler Stephan Weichert. Wer sich eine solche trainiert, den macht die KI nicht dümmer, wie immer wieder eindringlich gewarnt wird, sondern erfahrener und klüger.
Davon träume ich: Dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden schreiben lassen, bis die Köpfe rauchen! Weil sie verstanden haben, dass sie für grandiosen Content dreierlei brauchen: Hirn, Herz und KI.
Daran erkennt man Content, der mit Hirn, Herz und KI produziert wurde:
- Er überrascht mit frischen Ideen, Perspektiven und Themen, die noch niemand hatte.
- Er zeigt eine Kreativität, die nur durch Erfahrung und Assoziation entstehen kann.
- Er fesselt mit Storytelling.
- Er nutzt menschliche Erlebnisse als Themenquellen und fürs Storytelling.
- Er weckt Gefühle, weil er Persönlichkeit durchschimmern lässt.
- Er ist durchdrungen, geradezu beseelt, von einer Vision.
- Er enthält Meinung.
- Er offenbart vermeintlich Negatives, zum Beispiel Unsicherheit und Zweifel.
- Er thematisiert Fehler.
- Er stellt Fragen, die ehrlich gemeint sind, nicht rhetorisch.
(Diese Liste stammt aus meinem Artikel, der bei BrandTrust erschien: Content im KI-Hype: Wir brauchen Präzision, Menschlichkeit – und die Marke )
Das Unternehmen profitiert als Ganzes, wenn die Mitarbeitenden schreiben können
Es ist in meinem Beitrag immer wieder durchgeschimmert, aber ich muss nochmal explizit darauf zu sprechen kommen: Das Schreiben lernen verbessert nicht nur die Content-Qualität. Es ist außerdem eine perfekte Methode zur Mitarbeiterförderung, für das Knowledge Management und somit zur Unternehmensentwicklung. Für Human Relations ist es ein interessanter Lernprozess. Und klar: Nicht nur das Content-Marketing, sondern die gesamte Unternehmenskommunikation profitiert von Menschen, die gut schreiben können.

Warum nur versuchen so viele Unternehmen aktuell, auf all diese Vorzüge des Schreibens zu verzichten? Es ist mir schleierhaft. Womöglich, weil sie die immense Kraft des Schreibens schon immer unterschätzt haben.
Ich bin sicher: Wer mit KI eine Abkürzung versucht (in der Hoffnung, dass es billiger und schneller wird), gelangt auf den Holzweg. Ich wünsche viel Spaß beim Wendemanöver im Wald – es wird anstrengend und mühsam.
Besser ist es, der KI schnellstmöglich jenen Platz zuzuweisen, in der sie richtig gut ist: als inspirierende Begleiterin von Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, die das Steuer fest im Griff behalten und letzendlich das Wichtigste übernehmen: entscheiden.
An der Experts Journey habe ich viele Monate gearbeitet und ich habe große Freude daran, darüber zu diskutieren. Wenn Sie sich mit mir dazu austauschen wollen, freue ich mich sehr, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen. Lassen uns das Schreiben und seine vielerlei Talente feiern!
Der Artikel erschien zuerst auf LinkedIn. Die zahlreichen Kommentare, die dort viele Kolleginnen und Kollegen hinterlassen haben, sind durchaus lesenswert: Ihr wollt die Stars im KI-Zeitalter sein? Dann trainiert das Schreiben!